…und ihre Aquarellmalerei

Als das siebente Schuljahr zu ende ging und wir kurz vor den Zeugnissen standen, geschah etwas, das ich mein Leben lang nie vergessen sollte. An einem verregneten Nachmittag langweilten wir uns in einer Freistunde und lungerte im Schulgebäude herum. Ute trug das Klassenbuch immer bei sich und hütete es gewissenhaft, um es dem nächsten Lehrer auf das Pult zu legen. Wir Mädels alberten herum, saßen mit unseren Mappen auf der Mädchentoilette, dass jeder der die Tür öffnete, vor dem Haufen schnatternder Gänse zurückprallte. Wessen Idee es war spielt keine Rolle, es könnte die übermütige Anja gewesen sein.
„Ute, zeig mal das Klassenbuch.“
„Ja, los wir schauen ob die Endzensuren schon feststehen.“ Frohlockte Birgit mit einem listigen Grinsen, das ihre blauen Augen leuchteten.
„Mensch, ich krieg wieder was auf’n Deckel, wenn was mit dem Klassenbuch ist.“ Ute hatte das gleiche laute Organ wenn sie aufgebracht war, wie ihre Mutter. Sie wohnte im gleichen Aufgang und ihr Gebrüll hallte durch das ganze Haus, wenn sie mit ihren vier Kindern schimpfte.
„Quatsch, was soll sein, wir zerreißen es schon nicht, sieht ja auch keiner.“
Wie aufgescheuchte Hühner umringten wir Ute, die nun auf ihrer Mappe hockte und im Klassenbuch zu blättern begann.
„Da, zeig mal Mathe,.. Ich will Mathe sehen..,… halte hier…, diese Seite, blättere noch auf eine Seite zurück…“. Wir beugten unsere Köpfe über Seiten, zogen mit dem Finger die Spalten nach um unsere Namen zu finden. Seite um Seite suchten wir unsere Noten ab, zerrten hier, brüllten „warte mal, und schlag noch mal Geschichte auf, und Hubert hat mir doch keine vier gegeben, in Chemie drei, Gott sein Dank, “ so flog das Geschnatter aus Freude und Enttäuschung zwischen gefliesten Wänden hin und her.
Plötzlich hatte der Spuck ein Ende, als sei das letzte Körnchen aufgepickt, nichts mehr da, hoben alle ihre Köpfe und sahen sich an.
Ich drückte meinen Rücken durch, denn er schmerzte und mein Blick ging durch das hohe Toilettenfenster in den grauen Himmel. Eine Schwalbe flog vorüber und schon war sie wieder aus meinem Blickfeld verschwunden. Innerhalb von Sekunden wich alle Energie aus mir, wie die Luft aus einem undichten Ballon. Im Durcheinander merkte niemand, dass ich in eine der Toilettenkabinen schlich und leise den Schnapper umdrehte. Ich setzte mich auf das Klo, stützte den Kopf auf meine Hände, als wartete ich darauf den Wirrwarr aus Stimmen und drückenden Gedanken los zu werden.
„Warum hast du jetzt vier Dreien?“ Protestierte die ehrgeizige Susi, „und nur in Zeichnen und Russisch eine Eins, sonst nur Zweien.“
„Sie sind besser als du“ meldete sich die neidische Susi mit einem hämischen Unterton. Alle sind besser …. Dagmar, Heike, Birgit.
Dabei starrte ich auf die Inschrift an der Toilettentür, die irgendwer dort eingeritzt hatte. „Schule ist doof“ Der braune Schmierstreifen, war Scheiße, jemand hatte seine Finger an der Kabinentür abgewischt.
„Jetzt, reicht’s mir!“ entrüstete sich die stolze, kämpferische Susi.
„Euch werde ich’s zeigen.“

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