…und ihre Aquarellmalerei

Dorf

Auf das jährliche Weberfest in Potsdam Babelsberg freue ich mich immer sehr. Ich kann mich zwischen den Ständen mit altem Handwerk nicht satt sehen und habe Mühe die  mittelalterlichen Kleider und das ganze Zeugs einfach hängen zu lassen.

Endlich konnte ich mir eine bemalte Steinkette holen  – eine Art Talismann. Die Letzte ist  habe ich verloren. Ich suchte lange zwischen den Motiven, ehe ich mich wieder für  die  Eule entschied.

Ein Glas Drachenblut, bömischen Knödel mit Sauerkraut,  Gulasch und natürlich Tschechenbier.

Zwischen dem bunten Gewirr von Menschen und Stände,  eine Show  Paradiesvögeln -  Menschen auf Stelzen.

In Potsdam Babelsberg hatte die Weberei  Tradition. Etliche  Strassennamen erinnern an das Handwerk…und dann fällt mir  wieder ein, dass ich Weberin von Beruf bin.  Die niedrigen Häuser sind  herausgeputzt, eine Wohngegend mit unbezahlbaren Mieten -  für  Durchschnittsbürger.

ein Rudel junger Hunde

Wenn Eberhard in diesen Jahren zur Tür herein kam, sprangen vier Kinder ihn freudig an, wie junge Hunde. Er war der Leithund und kehrte auf seinen Hof zurück an die Kette und das machte ihn knurrig und bissig, er stieß jeden weg, der ihm jetzt zu nahe kam, seine wahre Welt war schließlich da draußen.
Doro störte es nicht, keine Freundin zu haben, doch dass Eberhard seltener zu Hause war, beunruhigte sie.
Dunkle Träume verfolgten mich in diesen Jahren, als hätte mich das Glück verlassen. Ich stürzte nicht nur vom Rad, als wir den Berg zum „hohlen Grund“ hinabsausten, sondern fiel im Traum aus dem dritten Stock, dass es in den Eingeweiden kribbelte, und immer kamen die stechenden Bienen. Ich kullerte die Bodentreppe unserer Bauernkate hinunter. Irgendjemand hatte die Bodentür offen gelassen, dass ich tief fiel.

Ich war die Große.
Was das bedeutete, lernte ich nun jeden Tag.
Besonders sonntags. Doro fühlte, dass sie irgendetwas unternehmen musste. Ihr Eberhard war zu oft weg, unter Männern, oder gab es da auch Frauen?
Eberhards Freunde waren jung und frei. Eberhard war genauso jung, doch wer wusste, das er vier Kinder hatte eine füllige Frau mit einem Dutt, die Windeln wusch, Essen kochte, Einkäufe schleppte und den Kindern sagte was gut und schlecht war?
Sie sollten es wissen, beschloss Doro und das hieß.
„Kinder anziehen!“

Egal ob Tommy plärrte, weil er noch müde war vom Mittagsschlaf, Heiko sich eine Beule holte, weil er wieder gegen die Ecke der Anbauwand geprallt war. Bibi stand da und knickste ununterbrochen, was hieß, dass sie nötig musste, aus irgendeinem Grund aber nicht aufs Klo wollte.
Ich sah zu wie sie alle plärrten, plapperten, zerrten und krabbelten.
Ich war still, fast gar nicht da, ein Geist. Tatsächlich träumte ich mich davon. Wie eine Schlafwandlerin zog ich meine Schuhe an und achtete darauf mein Sonntagskleidchen nicht schmutzig zu machen.
„Geh Pullern!“ Brüllte Doro Bibi an und band dem heulenden Tommy die Schuhe zu.
Besser war es ein Geist zu sein, weit weg, auf der Dahlienbank im  sauren „hohle Grund“.
Doro schob Heikos Kinderwagen, links und rechts Bibi und Tommy. Manchmal lief ich vor, dann trotte ich wieder hinterher. Der Weg zum Fußballplatz ist für kleine Beine lang. Er verlief schnurgerade auf einer betonierten langweiligen Straße. Der Wind hatte freie Bahn wenn er, auf unsere nackten Arme und Beine die harten Sandkörner vom Feld, blies.

Traum vom Apfel

Ich gehe durch das Dorf meiner Kindheit und  komme an einen umzäunten Garten. Er gehört mir nicht, doch ab und zu durfte ich früher dort hinein, um Obst zu essen. Ich habe plötzlich Appetit auf einen großen grünen Apfel. Etwas verwundert schaue ich mir den Garten an, sehe kaum Obstbäume, aber saftigen Rasen und einen rostigen Eisenzaun.


(Garten damals)

Ein alter Mann harkt stumpfsinnig vor sich hin. Ich entdecke einen mittelgroßen Apfelbaum mit  wenigen reifen Äpfeln. Wie komme ich da ran? Da, …einer  fällt ab und rollt neben den Gartenzaun.
Ich renne zu der Stelle um den Apfel zu angeln. Er ist ein sehr reifer Apfel und als ich ihn in der Hand halte und reinbeißen will, sehe ich, es ist der Wurm drin. Den will ich nicht. Nun will ich durch die Zaunpforte, mir einen neuen Apfel pflücken, da kommt der Besitzer mit seinem graumeliertem Haar auf mich zu und beginnt ein Gespräch.

(Garten heute von hinten)

Für Doro war es das Paradies wie sie später gestand, fließend Wasser, Badewanne und Toilette. Eine saubere Wohnung im dritten Stock, zwischen anderen Neubaublocks. Dort war Pommern wieder flach und trist, die Erde sandig.
Sie waren gescheitert, sie hätten es nie gewagt, Else das Dach übern Kopf abzureißen und Ihren Bruder nebenan vor die Tür zu setzten.

Als das Auto mit den Möbeln längst abgefahren, stand ich mit Papi ein letztes Mal vor dem alten Haus im hohlen Grund. Die Sonne schien warm und ich war barfuss, als Eberhard mich auf die Querstange seines Fahrrads setzte.

Omi Else schaute uns nach und winkte. Als ich zurück schaute, wurde sie kleiner und kleiner. Ich wusste in diesem Moment nicht, dass ich sie verloren hatte, genau wie die windstille Ecke im hohlen Grund. Dort wo ich hinfuhr, wehte ein anderer Wind.

Papi fuhr schnell und nahm den Weg über Felder und Wiesen. Die Abendsonne blendete uns und obwohl die Stange

an meinen Schenkeln drückte und ich den Kopf einziehen musste, fühlte ich ein übermütiges Kribbeln. Wir rasten durch den Abendwind. Niemals wieder war mein Vater mir so nah, wie in dieser halben Stunde, auf den Feldwegen, weg von den feuchten Wiesen.
Noch wusste ich nichts von den kahlen Wänden, der staubigen Erde, der betonierten Schulstraße. Ich ahnte nicht, dass es hier ein Treppenhaus gab mit vielen Stufen und sehr viel mehr Bienenstichen.

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