…und ihre Aquarellmalerei

Dummheit

Es war kurz vor zehn, als ich vor meinem Optiker darauf wartete, dass die Tür sich öffnet. Meine neue Brille funktioniert nicht. Ich habe sie wieder und wieder probiert und kann damit nicht  scharf sehen. Die Alte ist besser. Das geht nicht, also ist das gute Stück nun reklamiert. Meine Augen sind noch mal neu vermessen, meine Wünsche noch mal besprochen, meine Alte noch mal verglichen und ich hoffe ich kriege nun das Rechte. Ich habe gelernt,  Gleitsichtbrillen  sind eben doch etwas anders als eine Arbeitsplatzbrille. Habe ich zu viel Geld bezahlt? Wieder diese Frage.
So ging mein Montag Vormittag ins Land …ehe ich zur Arbeit bin.

Erfahrung ist der Name, mit dem jeder seine Dummheiten bezeichnet.

Oscar Wilde
 

Ich habe nun meinen DSL Vertrag gekündigt und plötzlich ist mir etwas  mulmig. Du hast dann kein Internet mehr und brauchst Alternativen…auch deine Festnetznummer ist erstmal weg. Meine Kollegen warnen mich, mit so einem Surfstick, da gibt es Limits und Netzschwankungen 🙁 ….mir gefällt aber der Gedanke an diesen Surfstick und der  Kabelsalat am Schreibtisch entfällt. Aber wenn Du plötzlich nicht ins Internet kannst? Mir wird bewusst wie abhängig ich vom www geworden bin.  Telefonummern, Öffnungszeiten, Infos aller Art immer verfügbar…und meine Bloggerei natürlich. Ist dieser  Weg versperrt und sei es nur für Stunden oder Tage…welche Kathastrophe? Ich träume schlecht und kann mich nicht entscheiden diesen Stick zu kaufen…bis zum Monatsende bleibt Zeit  für eine Lösung.

„waren sie schon mal bei uns?“…eine Sekunde lang wollte ich alles abstreiten und mit „nein“ antworten, dann sagte ich meinen Namen. Nach einem Jahr traute ich mich  wieder in diesen Salon, vorher spähte ich in den Raum …und suchte ein bestimmtes Gesicht unter den Friseusen. Sie war nicht da.  Der Versuch mein Haar wachsen zu lassen war wieder gescheitert, ich  konnte meine zippligen blonden Fussel nicht mehr leiden, also weg damit. Die Friseuse die mich nun an der Backe hatte starrte eine Weile in den Computer…das registrierte ich mit einem Seitenblick. Ich wollte hier nix Besonderes …einfach einen feschen Kurzhaarschnitt und ein paar bronzefarbene Strähnen, damit das Weiss in meinem Haar nicht Überhand nahm. Doch die rote Lampe war bereits an…das spürte ich am freundlichen Übereifer meiner Friseuse…mein Beschwerde vom letzten Sommer war also gespeichert. Fast tat sie mir leid mit ihrer  Sorge bloß keinen Fehler zu machen. Ja, mein Post „Frisur wie Prinz Eisenherz“ hatte für enormen Wirbel gesorgt, vielleicht sogar der Mitarbeiterin den Job gekostet. Nun, mit meinem Haar ist nicht viel los, da hilft Farbe und Schnitt wenig, aber ich war zufrieden.

Am Freitag kam ich überpünktlich zur Probefahrt meines Japaners. Ich war aufgeregt, bloß keinen Crash bauen, schließlich war ich drei Jahre kein Auto gefahren …bis auf das Desaster vor einem Monat, als Herkules mich eine Runde mit seinem Geländewagen drehen ließ. Ihm waren fast die Augen zugefallen und ich bettelte ans Steuer zu dürfen. Erst war alles schön, doch plötzlich kam der Wagen ins Schleudern. Ich hatte mal eben kurz die Bordsteinkante mitgenommen und dann zackig wieder auf die Straße gelenkt. Nicht viel und ich wäre in den Gegenverkehr gekracht. Das Gute;  ich verlor nicht die Nerven und hielt das Lenkrad ruhig…“Halte sofort  an“, brüllte Herkules….wenigsten war er danach hellwach ;-))

Nun ich habe die Probefahrt bestanden, trotzdem leuchteten mindestens fünf mal die roten Lampen im Cockpit …hatte den Motor abgewürgt und das zweimal auf einer Kreuzung mit langer Rotphase. Die Huperei hinter mir habe ich leichter genommen, als mein netter  Händler, der jede meiner Aktionen überwachte.

Ich habe ihn gekauft den Mitsubishi Colt und bin zufrieden mit dem Geschäft. Bilder gibt es erst nächste Woche 😉 Herkules weiß weder von meinem neuen Auto und ahnt nicht’s von meinem kürzeren Haaren, er wird jeden Moment an meiner Tür klingeln.

nichts geht ewig (gut). Es erfordert jede Menge Geschick eine mehrspännige  Pferdekutsche vorausschauend und umsichtig zu lenken. Mögen seine Stuten mit ihren Scheuklappen entspannt im Trapp bleiben, doch eine winzige Unebenheit und sie beginnen zu scheuen. Wie ein guter Kutscher hat mein Schatz immer alles im Griff,  wir sind  nur Menschen….

So passierte es …ein Blitzer erwischte uns  am Ortsausgang. Unsere Urlaubsreise hatte vor fünf Minuten begonnen und er dürfte offiziell garnicht hier sein. Jetzt gab es  dieses Foto… den Beweis mit Tag – Ort und Uhrzeit…und Susi auf dem Beifahrersitz…da hilft kein Stottern, sondern nur noch Asche fürs Haupt. So ein  verdammter  Bußgeldbescheid sollte seine sorgsam gelenkte Kutsche aus der Bahn werfen? …Parallelwelten können sich kreuzen und das gibt Zündstoff. Susi Sorglos Kommentar…“alles wird gut ;-)..nur vertrauen“. Ich hatte gut Lachen.

Herkules sah das  anders, wir fuhren zurück zum blauen Polizeiwagen der gut getarnt unter Bäumen stand. Die Brieftasche aufklappen und ein paar Scheine hinlegen und Beweisfoto löschen…ach wenn es doch so einfach wäre…

„Ich kann die Fotos nicht ansehen“ sagte der Beamte…und während mein Herkules durch die Beifahrerscheibe mit dem Polizisten sprach, blitzte es pausenlos weiter.

Wenigsten hatte er einen Zettel mit Telefonnummer und die Hoffung den Bußgeldbescheid nicht in die Hände seiner Frau fallen zu lassen. Auch Parallelwelten  kreuzen sich …irgendwann…denn nichts läuft immer gerade aus und wie am Zügel …aber möglichst nicht heute, nicht schon bald bitte schön.

Nach der Abschlussklausur standen zwei Freistunden im Plan. Wir Mädchen rotteten uns zusammen. Aufgekratzt, durch unsere erste Prüfung, trotteten wir schnatternd durchs Dorf, in den Tante-Emma-Laden. Irgendwas Verrücktes musste passieren… und wir kauften eine Pulle Aprikosenschnaps.
„du wohnst doch gleich um die Ecke, da können wir ja zu dir gehen.“ Sagte Ute.
Sofort sah ich Doros missbilligenden Blick und ihren erhobenen Zeigefinger vor meinen geistigen Augen. Mit einer Handbewegung verscheuchte ich diese  Vision, heute war mir alles egal.
„Klar, gehen wir zu mir.“ Ich drehte den Schlüssel in Türschloss und die Mädels stürmten unser Wohnzimmer. Ich holte Gläser aus dem Schrank und wir gossen unsere Gefäße voll. Der Aprikosenlikör roch süß und  klebrig und noch heute hebt sich mein Magen, wenn mir dieser süsse  Geruch in die Nase steigt. Wir ließen die Flasche rum gehen, laberten und kreischten, dass unsere Nachbarin sich garantiert fragte, „was ist bei Schievelbein los?“
Sie klingelte an der Wohnungstür. Für einen Moment hielt ich den Atem an und öffnete zaghaft die Tür.
„Ist das ihre Katze die auf der Treppe sitzt?“ Sagte Frau Schmidt.
„Oh Mann, irgendwer hatte die Kinderzimmertür offen gelassen und Perserkater, Hens war entwischt. Ich lief den Treppenflur runter und suchte den Kater. Im Kellergang sah ich seine funkelnden Augen und wusste, dass ich jetzt keinen Fehler machen durfte, wenn ich ihn greifen wollte.
„Henser, mein Kleiner, na komm, was machst du hier unten“. Ich schlich mich gebückt näher und hatte ihn fast erreicht, als er sich umdrehte und das Loch zwischen den Holzlatten von Nachbars Kellertür fand. Gib niemals auf, dachte ich und stürzte hinterher. Ich erwischte den Zipfel seines Schwanzes und zog.
Lasse bloß nicht los, Katzen hassen es am Schwanz gezogen zu werden, aber ich zog den widerspenstigen Burschen aus dem Kellerloch. Nicht auszudenken wenn er entwischte. Ich sah ihn mit seinem langen taubenblauen Fell zwischen Kohlengruß, Kartoffelmatsch und Spinnweben unter Kellergerümpel verschwinden. Das gibt Trabbel. Ich werde in der Russischstunde sitzen und pausenlos an Hens denken, der durch Nachbars Keller streunte.
Nein, ich zog energisch, ein paar Schrammen musste er jetzt abkönnen und tatsächlich hatte ich ihn wieder. Ich hob ihn schnell auf den Arm und lief die Treppe hinauf in unsere Wohnung, wo die Mädels viel zu laut alberten. Die Bergersche von über uns, kam die Treppe runter. Ich sah ihre neugierigen Fragen, die sie allerdings nicht aussprach. Es war nicht zu überhören, dass bei uns eine Teeneparty stieg.

„Kinder wir müssen los“ stellte Ute fest. Ich nahm Tassen und Gläser und spülte sie schnell in Waschbecken aus, meine Wangen glühten und um mich drehte sich alles. Die Gardine hing schief und ein Couchkissen lag auf dem Boden. Was könnte Mutter noch auffallen? Ich zweifelte an meinen kritischen Augen, sie waren benebelt, vom Aprikoschnaps.
Kater  wieder fein im Kinderzimmer weggesperrt, schloss ich erleichtert die Tür, noch mal glimpflich einer Katastrophe entgangen zu sein.
„Stürzen wir uns erst mal auf Russisch.“
Helmut war einer mein Lieblingslehrer, er kam gleich nach Henry. Seinen sächsischen Dialekt hatte er auch nach zehn Jahren nicht abgelegt und seine herzhafte Lache schallte oft durch das Schulgebäude.
Irgendwie spürte er, dass wir anders als sonst waren. Wir kicherten lauter. In meinem Kopf dreht sich alles und ich fuhr Karusell. Ich legte meinen Kopf auf die kühle Tischplatte, mein  Magen hob und senkte. Dann hielt ich es nicht mehr aus, sprang auf und rannte zum Klo.
Käseweiß kam ich zurück und setzte mich wieder auf meinen Stuhl. Ich sah, dass es in Helmut arbeitete. Er war ein verständnisvoller Mann, doch wie viel Verständnis hielten Eltern und Lehrerkollegen für ratsam? Er redete über irgendwas und die Minuten seiner Russischstunde krochen dahin.
Mein Magen hob sich ein zweites Mal und half Helmut eine Entscheidung zu treffen. Ich schaffte es nur bis zum Waschbecken neben unserer Tür und kotze was mein Magen hergab. Es stank und ich hörte Ihhh Rufe und Kichern, der Mädchen.
Willy hatte mein Kotzen so inspiriert, dass er mir alles nachmachen musste. Er machte das Waschbecken neben der Tür noch voller. Ich weiß nicht wer seinen Finger später in den Ausguss steckte, um die Kotzbrocken ablaufen zu lassen. Ich weiß gar nichts mehr.
Nun war es genug, dem Vorrat an Verständnis war Sorge gewichen und Helmut holte Verstärkung.
Ratlosigkeit machte sich auf den Gesichtern breit, dann kam die Entscheidung.
„Alle bleiben auf ihren Plätzen, eure Eltern werden angerufen und jeder wird abgeholt.“
Nun hatten wir den Schlamassel. Ich legte wieder meinen Kopf auf den kühlen Tisch und die Zeit tropfte dahin. Ich brauchte doch bloß über die Schulstraße gehen. Dort fuhren kaum Autos und dann den Schlüssel ins Schloss stecken und mich auf mein Bett werfen, dachte ich mir. Wozu der Aufwand unsere Eltern zu rufen?
Aller guten Dinge sind drei, jedenfalls wenn der Magen streikt. Es gibt immer ein drittes Mal, doch diesmal kannte ich die Vorzeichen und schaffte es aufs Klo. Ich brauchte nicht lange warten, mein Vater stand bald in der Klassentür mit einem Grinsen im Gesicht, als hätte seine Tochter endlich mal etwas getan was ihm gefiel. Warum er? Mutters Arbeitsweg ist viel dichter.
Doro stand am Abend mit erhobenem Zeigefinger in der Tür und lamentierte. Ich lag auf dem Bett und langsam ging es mir besser.
Später bekam ich einen Tadel, „wegen der Vorkommnisse nach der Prüfungsarbeit“.
Ich war stolz, einmal nicht die Musterschülerin zu sein, sondern noch kurz vor Abschluss einen Tadel vorweisen zu können.

aus dem Hamsterrad

Wenn die Gedanken sich überschlagen und der Tag zu wenig Stunden hat, dann ist es Zeit die Bremse zu ziehen. Die letzten Tage  sind vollgestopft mit Unaufschiebbarem.
Endlich kommen Möbel ins Haus.

Es muß aus-, ein- und umgeräumt werden, alter Staub gewischt.
Der Kaffee ist alle, also schnell noch im Real einkaufen, schließlich soll mein  „Frecher“ mit
Kaffee und  Kuchen belohnt werden,  für seine fleißige Aufbauarbeit.
Es riecht nach geöltem Holz und irgendwie kommt die Freude nur langsam.

Ich hatte mich an meine Provisorien im Wohnzimmer gewöhnt, ein Karton mit einem Tuch abgedeckt, eine Vase drauf, so blieb es zwei und ein halbes Jahr, gemütlich, da habe ich fast Angst, die  neuen Schränke könnten mir vielleicht doch nicht gefallen und das gewohnte Bild stören.
Nicht nur die Möbel sind neu, noch viel mehr hat sich im letzten Jahr verändert.
Es ist eines der schönsten Jahre meines Lebens geworden und ich hoffe das nächste wird genauso toll…;-)
denke ich, als die Sonne an diesem eisigen Dezembertag glutrot versinkt. Ich schaffe es zwischen Dienstschluss und Weihnachtsfeier noch schnell auf den Crosstrainer und hetzte von hier nach da.
Schnell das Weihnachtsgeschenk einpacken.


Trödel-Wichtel hat immer Spaß gemacht.
In diesem Jahr war die blaue Tuperdose der Renner…die braunen Raben auch witzig.

Morgen schlafe ich auf jeden Fall aus.

delete

„lösche diesen Blog“, flüstert die verletzliche Susi in mir….“tu’s nicht“ sagt die Mutige…“70 Post, wirft man nicht einfach weg“ sagte die Pragmatische…“ich will nicht mehr“die Deprimierte, …“ach, warum wegwerfen…

schalte ihn stumm“ die Abwartende…“Du bist  authentisch“ sagte die Zuversichtliche…“das interessiert keinen“ meint die Frustrierte…“wenn der Blog gefunden wird, wie peinlich“ flüstert die Schamhafte…“was werden sie über mich denken, wenn sie wissen wer ich bin“ die Ängstliche…
Susi hängt also in einer Krise

so viele Stimmen in mir. Ich erinnere mich an das Buch „ich bin Viele“, die Heilungsgeschichte einer Multiplen jungen Frau. Ich bin nicht krank und doch kann ein ungeduldiger Finger mit der Taste „delete“ alles vernichten. Nicht mal eine virtuelle Staubwolke wird aufsteigen ;o)

Meine Suche nach dem Unbekannten ist vorbei…ging es denn wirklich um ihn? Meinen Lesern fehlt aber noch der rote Faden …gebt mir Zeit und Nachsicht…
Ich liebe ja diese Sprüche…und zuweilen kaschieren sie meine Laune.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit so vor siebzehn Jahren, damals hatte ich den Finger am Abzug einer Pistole…völlig durchgeknallt…hier ist er mein roter Faden..das nächste mal die Story mit der lauten Knall.
Mein Herkules macht mir Mut…sonst wäre Susi blog heute als virtueller Datenmüll im www ersoffen.

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