…und ihre Aquarellmalerei

frust

Ich komme heim und es ruft mein neues Baby,  mein Mitsubishi Colt ist abholbereit. Aufgeregt wechsle ich die Absatzschuhe gegen flache Treter, die Probefahrt nagt noch  an meinem Selbstbewußtsein, weil  ich  dauernd den Wagen abgewürgte. Bloß keine dunklen Gedanken aufziehen lassen, du kannst das, hast noch alle Autos souverän gestartet und heil in die Parkbucht gerollt. Ein Blick in den Spiegel, als hätte ich eine Verabredung…..wo ist meine Eule…mein Krafttier? Ich binde meine Glücksbringerkette um und zähle noch einmal die vielen Euretten. Mein Konto ist jetzt fast leer…., dafür bekomme ich einen Hauch von Freiheit …hoffe ich.

Von Weitem sehe ich ihn stehen und umkreise ihn. Dann wechseln  Geld und Fahrzeugpapiere die Schreibtischseite. Ich habe ein gutes Gefühl und bitte um einen Moment Ruhe, um das Spiel zwischen Kupplung und Gas zu meistern. Ich rolle vom Hof und fahre tanken…weiter …bremsen, kuppeln anhalten und Gas geben…der Motor stottert kurz und ist aus…Ich ignoriere das Hupen hinter mir…ist mir scheißegal. Endlich springt er wieder an und ich fahre weiter, ängstlicher nun und weiß mein Gefühl täuscht nicht…der Colt ist kurz vorm absaufen, wenn ich langsam an einen Haltepunkt fahre. Ich will es wissen und fahre  Runde um Runde.  Beim kupplen und mit wenig  Gas, säuft er  ab. Das ist nicht normal, denke ich und scheiße… ich treffe eine Entscheidung…mit Schwung und bangen Gefühlen… zurück auf den Hof meines Verkäufers.

Wäre ja auch zu goldig gewesen…ich bin blod aber nicht zu blöd ein Auto zu fahren, auch nach drei Jahren Abstinenz nicht… Der Verkäufer dreht eine Runde und …er gibt zu …hier ist noch eine Baustelle….Werde ich das blaue Baby mit dem lila Farbschimmer je in mein Herz schließen und mögen?…es sieht nach einer Haßliebe oder Reklamation aus…;-(((( Ob der magische Vanille-Duftbaum die bösen Geister vertreibt…ich habe ihn einstweilen im Hanschuhfach eingesperrt.

Das Leben ist wie ein Spiegel, wenn man hinein lächelt, lächelt es zurück.

Nubar Gulbenkiam

Susi sorglos ist das smarte Lächeln vergangen…kampflustig ist ihr jeder Anlass recht zu streiten, besonders auf Arbeit. Was hat das zu bedeuten? Was gährt da so sehr, dass sie ihre Messer wetzt …zu viele Jahre war sie handzahm?

Die Kratzbürste will Blut sehen und sich beweisen

wenn Ärger kein Ventil findet, dann hilft der Crosstrainer und meine eisernen Sparringspartner …

ich stemme jede Menge Gewichte

himmelblau sollte er sein, nicht zu alt, nicht zu teuer und nicht zu abgefahren …;-))). Sind wir hier bei „wüsche dir was“ ?  mein Wunschauto war in keiner Angebots-Datenbank zu finden.

„Habe Geduld“, sagte Herkules.  Geduld war nicht meine Stärke und wenn sich eine fixe Idee in meinem Kopf verfängt, dann ziehe ich die Sandalen an und verlege mein Fitnessprogramm auf die staubigen Strassen.

Nach Feierabend lief ich alle Autohändler der Umgebung ab und war frustrierter denn je, außer Blutblasen unter den Füßen,  war von meinem Auto weit und breit nichts zu sehen.

Schon zog ich Plan B in Betracht, …dann eben ein anderes Auto…als Herkuls mich ermahnte einfach ein wenig zu warten…“wirst sehen, wir kriegen den blauen Micra, nun warte doch mal einfach ab“…das war seine Strategie und ich vertraue ihm…also spätestens in zwei Monaten will ich meinen Micra fahren.

hier bin ich, der Glastisch 😉

Ja, sie mich nicht so an, weil du jetzt einen blauen Fleck hast und mir fast die Platte vom Sockel gerissen hättest. Das ist genauso, als ob man dir die Kleider vom Leib reiß, weißt du. Ja, wundere dich ruhig, früher ist das nicht passiert. Vor einigen Jahren besaß ich weiche Rundungen und keine Ecken an die man stieß. Ich war geschliffen wie ein edles Porzellan und mein Preis hoch. So habe ich  in über siebzehn Jahren nie an Wert verloren, erst als mich dieser Neandertaler in tausend Stücke hieb, einer Breitseite die mich in zwei Hälften spaltete.

Meine Patronin hat mich nicht auf den Müll geworfen,  sie hängt an mir, auch wenn ich ihr jetzt blaue Flecke schenke und sie diese billige Ersatzplatte nicht leiden kann. Sie liebt vor allem meinen Leib, der wie ein aufgeschlagenes Buch  sein Inneres zeigt und das so stilvoll und gekonnt, dass Besucher immer erst ihre Hände auf meinen Bauch legen und dann erstaunt feststellen, das ich kein Provisorium aus einem Stapel alter Bücher bin, sondern ein ungewöhnliches Stück Stein, das den einmaligen Fuß dieses Couchtisches bildet.

Damals  als meine Glasplatte in großen  Scherben auf dem dreckigen Teppich landete, da wusste sie beide, ihre  gemeinsamen Tage sind gezählt; „das verzeihe ich dir nicht mehr“ waren ihre Worte.  Es war genug.

Es gibt eben tausend Arten Nein und  Schluss zu sagen.

Traum und Wirklichkeit

„sich diesen Zahn ziehen“, sagt ein altes Sprichwort …das schmerzende Ding los werden…Mein Backenzahn muckert seit Tagen und heute morgen, greife ich endlich zum Telefon und wähle die Nummer meines Zahnarztes. Das wird weh tun, und brauche bestimmt ne Spritze. Solche Gedanken gehe mir durch den Kopf und dann  finde in meiner Kladde den Eintrag zu einem Zahntraum
mein Sohn und ich sind beim Zahnarzt. Er hat nur noch einen Zahn, der raus muss, und dieser ist der Entscheidende, um sein Gebiss zu richten. Der Doktor zieht seine Spritze auf. Zu meiner Verwunderung bekomme ich auch eine,  ehe ich mich recht versehe. Es geht schnell und zackig. Ich weiß es tut nicht weiter weh und tröste damit meinen Sohn, der noch ganz ängstlich schaut.

kalt und explosiv

Wir redeten kaum ein Wort miteinander. Herkules flüchtet in wilde Beschäftigungen und signalisiert, komme mir nicht zu nah, kein gemeinsames Essen, keine gastliche Fürsorge, Vogel friss oder stirb.
Ich halte es nicht länger aus schweigend in einem Raum mit ihm zu sitzen. Ausreißen, weiß aber, das bessert meine Lage überhaupt nicht. Ich könnte es verstehen, wenn wir seit Tagen oder Wochen aufeinander hockten. Es waren gerade fünf oder sechs Stunden, behandelt man so einen lieben Gast? Nicht lebbar! Ich kann hier nicht weg, bis zum Personalgespräch waren es noch drei Tage. Ich esse nicht, schlafe kaum und komme auf verrückte Ideen. Einen lauten Knall sollte es geben, Herkules sollte mich gefälligst sehen und hören. Als seien es Schätze, zeigte er mir stolz seine Waffensammlung.
„Ist das nicht verboten“
„Musst es ja Niemandem erzählen.“
Ich renne in die Küche, greife mir die Schnapspulle und lasse sie gluckernd in den Ausguss laufen…schadenfroh stelle ich mir sein Gesicht vor, wenn er einen Hieb Wasser nimmt, statt Klaren. Dann fällt mein Blick auf die alte Schreibmaschine. Ich setze mich beginne zu tippen. Buchstabe für Buchstabe schlägt auf das Blatt Papier….das reicht irgendwie nicht.
Mein Blick fällt wieder auf den Revolver. Ich nehme ihn in die Hand und betrachte die Waffe. Ich drehe an der Trommel und entsichere den Hebel.
„So kannst du das nicht lassen“, durchschießt mich ein Gedanken, wenn die Kanone nun aus Versehen los geht. Ich wusste  nicht wie ich sie wieder sichern sollte.
Das Einfachste ist, ich feuere einen Schuss ab, dachte ich und irgendwie gefällt mir der Gedanke. Ich gehe auf den Balkon. Ein Hinterhofidyll, in einer feinen Wohnsiedlung, mit viel Grün und einem Kinderspielplatz. Wo sollte ich hinzielen? Am besten in den Sandhaufen des Spielplatzes. Ich konnte mich schlecht mit ausgestreckter Waffe in Pose stellen. Wie im Häuserkampf hockte ich mich nieder und zielte durch den Rand der Balkonbrüstung, eine Schießscharte, dachte ich. Bin ich das wirklich. Einen lauten Knall soll es geben und damit Basta! In diesem Moment drücke ich ab und da war er der Knall, dumpf höre ich den Widerhall.
Bist du verrückt, wohl völlig durchgeknallt! Wenn du nun Jemanden aus Versehen triffst.
Ich lege die Waffe zurück und verlasse die unordentliche Bude von Herkules. Seine durchwühlten Akten liegen herum, sie sagen viel über den Mann den ich so begehre. Zurück blieb nur mein Verzweiflungsbrief, den ich auf seiner Schreibmaschine tippte. Verlasse die Wohnung ohne die Tür zu schließen.

delete

„lösche diesen Blog“, flüstert die verletzliche Susi in mir….“tu’s nicht“ sagt die Mutige…“70 Post, wirft man nicht einfach weg“ sagte die Pragmatische…“ich will nicht mehr“die Deprimierte, …“ach, warum wegwerfen…

schalte ihn stumm“ die Abwartende…“Du bist  authentisch“ sagte die Zuversichtliche…“das interessiert keinen“ meint die Frustrierte…“wenn der Blog gefunden wird, wie peinlich“ flüstert die Schamhafte…“was werden sie über mich denken, wenn sie wissen wer ich bin“ die Ängstliche…
Susi hängt also in einer Krise

so viele Stimmen in mir. Ich erinnere mich an das Buch „ich bin Viele“, die Heilungsgeschichte einer Multiplen jungen Frau. Ich bin nicht krank und doch kann ein ungeduldiger Finger mit der Taste „delete“ alles vernichten. Nicht mal eine virtuelle Staubwolke wird aufsteigen ;o)

Meine Suche nach dem Unbekannten ist vorbei…ging es denn wirklich um ihn? Meinen Lesern fehlt aber noch der rote Faden …gebt mir Zeit und Nachsicht…
Ich liebe ja diese Sprüche…und zuweilen kaschieren sie meine Laune.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit so vor siebzehn Jahren, damals hatte ich den Finger am Abzug einer Pistole…völlig durchgeknallt…hier ist er mein roter Faden..das nächste mal die Story mit der lauten Knall.
Mein Herkules macht mir Mut…sonst wäre Susi blog heute als virtueller Datenmüll im www ersoffen.

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